Dienstag, 28. Juni 2016

Immer schön die Palme festhalten

Montag, 20. Juni 2016, Middelfahrt — Brejning, Vejle Fjord

Nachdem Su ihre Wollvorräte im Lieblingswollladen von Middelfart aufgefüllt hat, gehts los. Zum Ablegen der Kommentar einer Dänin vom nächstgelegenen Schiff: "I like to see you're all ladies; nobody is yelling..." :-) Heute soll es ordentlich blasen. Wir müssten gut vorankommen. Der Wind passt schon, kommt raum bis achterlich; wir sind heut "vorn dabei"; mithilfe von 2 kn Strom machen wir über Grund teils 9 kn Fahrt. Hui :-) Aber kaum haben wir Fredericia hinter uns, zieht aus SSW eine graue Front heran. In Böen sieben und gleichzeitig nass wie kalt macht nun doch nicht recht Spaß. So suchen wir uns alle möglichen Optionen fürs Anlanden in Lee; je mehr Wetter wir kriegen, desto kleiner werden die Etmale gesteckt. Langör und Marup waren schon gleich morgens früh flachgefallen. Zu weit. Snaptun im Horsens Fjord war zunächst erste Wahl, aber da wir das für den Nachmittag angekündigte Gebläse nun schon Vormittags haben, ist uns bald selbst Juelsminde noch zu weit. Der nächstgelegene Vejle Fjord bietet willkommenen Schutz. Im kleinen, aber feinen Hafen von Brejning liegen wir"wie in Abrahams Schoß". Kaum fest, regnet es sich richtig ein. Der zugezogene Himmel gaukelt eine graue Ewigkeit mit Lochcharakter vor. Wir genießen ein ausgiebiges Lunch, und zum Nachtisch wird Patience gelegt, gelesen oder sich sonstwie eingeigelt, unterlegt von Van Morrisons jaulender Stimme. Auch Knoten werden geübt, insbesondere der Palstek, bei dem man "immer schön die Palme festhalten" muss. Zum Abendbrot gibts Nudeln mit Huhn und Koriander; als Vorspeise Berufe- bzw. Persönlichkeiten raten. Das Dauerrauschen des Regens spült alles restliche Zeitgefühl weg. Jaja, die See und das Wetter machen uns nicht weniger einsam, als wir eh alle sind. Aber sie lassen uns die Einsamkeit vielleicht etwas besser ertragen. Morgen wird der Spuk vorbei sein. Das sagen die Isobaren und der Wetterbericht. Früh Booboo, denn am nächsten Tag wolln wir Strecke machen.

Wetter: SSW 5-6, in Böen 7 Bft; ausgiebiger Regen
Segellingo:
raumer Wind — der Wind kommt schräg von hinten
Fahrt über Grund — die Bewegung des Schiffes relativ zum Boden; FüG kann sich von der Fahrt durchs Wasser (FdW) unterscheiden (z. B. durch Strom- und Windabdrift)

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